Es war tatsächlich gut, bereits am ersten Tag nach meiner Quarantäne sich auf nach Jerusalem zu machen. Jetzt während der „Arbeitszeit“ haben wir eine 6+1 Woche. Wir arbeiten sechs Nächte hintereinander und haben dann eine Nacht frei, weil am Shabbat die Lokführer nicht fahren (dürfen).
Für den freien Tag muss man sich also gut überlegen, was man unternimmt und welchen Sehenswürdigkeit man sich anguckt. Für den 1. Mai haben wir uns für Jerusalem entschieden. Während mein einer Kollege schlecht geschlafen hatte und daher lieber im Hotel blieb, schnappte sich mein anderer Kollege den Mietwagen und fuhr mit mir nach Jerusalem. Da ich ja vor einer Woche schon mal hier war, konnte ich ein wenig als Tour-Guide agieren und ihm die Altstadt zeigen.
Wir parkten unser Auto in einer Tiefgarage am Jaffa-Tor, von wo wir auch in die Altstadt starten wollten. Vor dem Jaffa-Tor standen bereits viele Reisegruppen, die von der Polizei kontrolliert wurden. Ich war ziemlich überrascht, wieviel auf einmal los war und wir gingen nach ein wenig zögerlichem Warten einfach zum nächsten Tor, dem Neuen Tor. Leider war dort auch der Zugang versperrt. Wie wir da so standen, kam aus dem gegenüberliegenden Gebäude, dem Notre Dame – Kloster, eine Prozession, die durch das Neue Tor in das christliche Viertel einzog. Eine paramilitärische Kapelle spielte eine moderne Melodie und wir rätselten, zu welcher Nation sie wohl gehörte.

Die ganze Zeit stand eine kleine Gruppe, komplett in schwarz gekleideter Frauen in der Sonne vor dem Tor auf Einlass. Wir vermuten, dass es griechisch-orthodoxe Nonnen waren. Da auch nach der Kapelle das Neue Tor verschlossen blieb, zogen wir weiter zum Damaskus-Tor. Dort gelangten wir nun endlich in die Altstadt. Selbst in der Altstadt waren die Gassen, die zum christlichen Viertel führten, abgeriegelt. Die Soldaten sagten uns, dass man nur mit einer Anmeldung zu den christlichen Stätten kommen würde. Zum Glück war ich da schon vergangene Woche…

Für meinen Kollegen war das nicht so schlimm, da er sich sowieso nur lieber die Altstadt im Allgemeinen und die Klagemauer im Speziellen angucken wollte. Daher schländerten wir durch diverse Seitengassen und wählten den Weg, wie es uns gerade gefiel. Im Musilimischen Viertel kaufte ich dann eine Falaffel-Form.

Im Prinzip funktioniert das Gerät wie so ein Eis-Löffel: Man drückt mit dem Hebel an der Seite die kleine Metallplatte im Innern herunter und streicht mit dem Löffel das Kichererbsen-Mus in die Form oben. Dann lässt man den Hebel los und die geformte Falaffel schnippt in die Fritteuse. Ich finde das ein sehr praktisches Mitbringsel.
Ich nutze den zweiten Aufenthalt in Jerusalem vor allem dafür, diverse Souvenirs zu besorgen. Das hatte ich beim ersten Besuch vergessen bzw. war da auch nicht so viel Zeit, weil ich vorrangig zu den christlichen Stätten gucken wollte. Preise für Souvenire stehen nirgendwo dran. Wenn man fragt, kostet alles 10 Schekel. Das scheint hier so eine Standard-Einheit zu sein. Unter 10 Schekel geht nix. Der Falaffel-Maker kostete 10 Schekel und auch für die Postkarten, die ich zusammen mit dem Kühlschrankmagneten an einem anderem Stand bekam, zahlte ich 10 Schekel. So ein Wunder.

Unverpacktes Einkaufen, wie es in Deutschland wieder teilweise in Mode kommt, wäre hier auch gut möglich, wenn einem nicht jeder Stand eine Plastiktüte andrehen würde wollen. Mit Verweis auf den eigenen Rucksack kann man das aber meist ablehnen.
Eigentlich wollten wir vom Turm der evangelischen Kirche über die Altstadt gucken, aber da wir dort aufgrund der Sperren nicht hin gelangten, genossen wir den Ausblick von der Dachterrasse des österreichischen Hospizes aus. Diesmal war hier oben mehr los, vergangenes Mal war ich allein hier oben. Die Aussicht war trotzdem wieder beeindruckend und nachdem wir uns ein wenig umgesehen hatten, fingen die Muezzine der umliegenden Moscheen mit dem Mittagsgebet an. Diese Atmosphäre war wirklich genial. 😀
Allzulange blieben wir aber nicht auf der Dachterrasse, weil die Mittagssonne doch sehr stark auf uns hernieder brannte. Unten im Garten setzten wir uns an einen Tisch und schrieben Postkarten, denn im Hospitz gibt es Briefmarken und auch einen Postkasten. Allein die Postkarten könnten schöner sein, aber davon gibt es in den Gassen der Altstadt an jedem Stand genügend.

Mein Kollege wollte ja noch zur Klagemauer, also zogen wir los. Das christliche Viertel war immer noch abgeriegelt und so schlängelten wir uns durch diverse Gassen, auch um zu testen, ob es nicht doch irgendwo einen Durchschlupf gibt. Auf der Davidstraße angekommen sah mein Kollege einen Stand, der mit „Jerusalemer Süßigkeiten“ warb. Wir wussten zwar nicht, was es war, aber wollten es testen. Es stellte sich heraus, dass es sowas wie Kräppelchen ist. Also frittierte kleine Kugeln aus süßem Teig. Fehlt nur noch der Puderzucker. Süß genug waren sie aber auch ohne diesen.
Wir kamen auch wieder über den zentralen Platz des jüdischen Viertels und ich zeigte meinem Kollegen den Menorah-Leuchter, welcher ja schon für den neuen Tempel bereit steht. Hinter ihm ist die Synagoge, die mit der weißen Kuppel eine der drei Religionen, hier das Judentum, vertritt. Die goldene Kuppel gehört zum muslimischen Felsendom, während die schwarze Kuppel auf der Grabeskirche der Christen zu finden ist.

Neben dem Menorah-Leuchter, der von eifrigen Juden aus den USA gestiftet wurde, liegen auch schon die Gewänder für die künftigen Tempel-Priester bereit. Sofern ich das richtig verstanden habe, muss jetzt nur noch der Messias kommen, den Tempel wieder errichten und dann kann es sofort los gehen. Manchen Juden ist das deswegen nicht geheuer, weil sie dann nach altem Ritus wieder (Brand-)Opfer darbringen müssten. Mir ist das wiederum deswegen nicht geheuer, weil es bedeutet, dass die Muslime vom Tempelberg vertrieben werden würden und der daraus entstehende Konflikt vermutlich Jerusalem dem Erdboden gleich macht.
Aber zurück zu den schönen Gebäuden der Jerusalemer Altstadt und unserem Weg zur Klagemauer. Im Englischen wird sie übrigens Westwall genannt, weil sie die westliche Mauer des ehemaligen Tempels ist. Dort hin gelangten wir auch über den Menora-Platz. In der Jerusalemer Altstadt sind die Straßenschilder drei-sprachig und sehen so aus:

Treppab ging es zur Sicherheitskontrolle und schon waren wir auf dem Platz vor der Klagemauer mit Blick auf den Felsendom. Hier packte ich wieder meine eigene Kippa aus, während mein Kollege eine aus dem Spender nahm. Anschließend zogen wir noch durch die Gassen und entdeckten folgende schöne Aussicht auf den Platz und den Felsendom:

Mittlerweile war es Nachmittag und wir wollten Heim fahren, um noch etwas Schlaf zu bunkern für die anstehende Nachtschicht. Daher spazierten wir durch das Armenische Viertel zurück, um zum Jaffa-Tor zu gelangen, wo wir ja unser Auto in der Tiefgarage geparkt hatten. Mittlerweile schien das Fest der griechisch-orthodoxen vorbei zu sein, denn alle strömten aus der Altstadt heraus, sodass wir unsere Mühe hatten am Jaffa-Tor vorbei zur Tiefgarage zu gelangen.
Folgende Aufkleber sind mir noch aufgefallen. Deutsche Touristen gibts halt überall…

Ich war froh, ein zweites Mal nach Jerusalem gekommen zu sein. Nicht nur, weil ich beim ersten Mal die Souvenire vergessen hatte, sondern auch, weil diesmal die Stadt etwas voller war und ich mir nun besser vorstellen kann, wie es bunt und trubelig es wohl sonst ist. Genug habe ich trotzdem noch nicht bekommen.
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