Keine Langeweile!

Ich gebe zu: Ich habe es mir un-spannender vorgestellt. Tatsächlich wird mir in meiner Quarantäne nicht langweilig. Zum einen macht es natürlich dieses Internetz möglich, Home Office überall auf dieser Welt zu machen, wo es WLAN gibt. Irre!

Zum anderen möchte natürlich auch dieser Blog gefüllt werden, Verwandte und Freunde (und die Freundin) möchten auf dem Laufenden gehalten werden und es ist auch generell viel Neues dabei. Und wenn es nur darum geht, mal das Geschehen auf der T-Kreuzung vor meinem Fenster zu betrachten, denn ich möchte gern ein Gefühl davon bekommen, wie das Leben hier funktioniert. Der Straßenverkehr ist da doch deutlich anders als in Deutschland. Aber von dem, was hier so Gang und Gäbe ist oder was ich hier etwas merkwürdig finde, erzähle ich mal in einem anderen Blog. Diesmal möchte ich euch einen Einblick in meine ersten Quarantäne-Tage geben.

So viel anders als Home Office in Dresden sind diese Tage tatsächlich nicht: Auch hier muss ich nur aus dem Bett fallen, mich an den Tisch setzen, den Laptop hochfahren und mich mit dem VPN-Netz meiner Firma verbinden. Schon bin ich arbeitsbereit. Mehr oder weniger. Der Tisch war schon gedeckt. Ich hatte vorab die Rezeption gefragt, ob sie mir den Kühlschrank füllen können und noch ein paar andere Sachen besorgen. Sie sind dieser Bitte tatsächlich nachgekommen und so hatte ich Brot, Butter, Milch, Gemüse, Obst und sogar Erdbeermarmelade. Ein Traum.

Ein paar Kekse gab es auch und eine 0,5 Liter Flasche israelischen Bio-Wein hatten sie mir auch hin gestellt. Beides hatte ich zwar nicht geordert, aber es gefiel mir sehr. Merkwürdig fand ich nur, dass sie zu der Flasche Wein zwei (!) Gläser dazu stellten. Ich frage mich seit dem, wer noch mit mir im selben Apartment in Quarantäne ist. Gesehen habe ich bisher niemanden. Einladen darf ich mir die ersten zehn Tage auch keinen Mitmenschen. Naja. Der Wein wird ja nicht schlecht und daher habe ich ihn erstmal in meinen Koffer gepackt. Vielleicht trinke ich ihn zusammen mit meinen Kollegen, wenn ich aus der Quarantäne raus bin oder ich nehme ihn als Andenken mit nach Deutschland. Ich muss auf jeden Fall mal die Rezeption fragen, wo sie den Wein her hat. Das Etikett ist wirklich schön!

Weil ich erst spät in der Nacht im Hotel ankam, schlief ich etwas länger am Montagmorgen aus. Nach dem Frühstück und dem Abwasch klappte ich den Laptop auf. Die Verbindung mit dem Firmennetzwerk funktionierte und so konnte ich sogar mein Telefon in Dresden fernsteuern. Praktisch, denn für die Kontakte habe ich weiterhin meine Dresdner Nummer und kann sie auch davon aus auch anrufen. In unseren Arbeitsgruppen-Chat habe ich gleich mal ein Foto von meinem Fenster-Ausblick gepostet und neidische Kommentare geerntet. Es ist ja auch wirklich schick. Nur schade, dass ich nicht raus gehen und im Meer baden darf. Es sieht so einladend aus!

Die Wellen waren sehr hoch und es surften viele Leute mit ihren Brettern im Wasser. Dabei schwammen sie so ca. 50 m raus aufs Meer, um sich dann mit einer der perfekten Wellen wieder an den Strand treiben zu lassen. Kalifornien oder Israel? Hauptsache Strand! Hinten am Horizont sieht man übrigens die Hochhäuser von Tel Aviv. Das ist hier „nur“ 10 km den Strand geradewegs südwärts runter.

Neben der Montagsrunde (unserem wöchentlichen Jour Fixe) und ein paar projektbezogenen Arbeiten, gab es für mich auch noch ein paar Quarantäne-Formalia zu erledigen. Ich entdeckte, dass es noch ein online-Formular gab, welches das Gesundheitsministerium über meine Selbst-Quarantäne informiert und das ich noch nicht ausgefüllt hatte. Außerdem kam jemand von unserem israelischen Notar vorbei und nahm meinen Pass mit. Jetzt klebt darin mein Arbeitsvisum. Schon schick: Darin steht, dass ich ausschließlich als Experte in Israel arbeiten darf. Das muss ich mal meinen Vorgesetzten erzählen, denn als Experte bin ich eine andere, höhere Gehaltsklasse! 😉
Aktuell bin ich ja „nur“ ein wissenschaftlicher Mitarbeiter. Wobei ich die englische Form „scientific consultant“ bevorzuge, das klingt nach mehr. 😀

Ich habe mal gehört, dass man consultants als Leute bezeichnet, die sich deine Uhr leihen, um dir zu sagen, wie spät es ist und diese Dienstleistung dir dann noch in Rechnung stellen. Ziemlich dreist, aber manchmal hat man es auch mit Leuten zu tun, die ihre eigene Uhr nicht lesen können. Da bin ich ihnen doch gern behilflich.

Apropos Uhr: Die Zeit vergeht echt fix. Ich komme hier nicht so schnell vorwärts wie im Büro in Dresden und es gibt nebenher immer ein paar Sachen, die einen ablenken bzw. erledigt werden müssen. Wenigstens wird mir nicht langweilig.

Jetzt noch fix Sport machen, wenn man sich schon nicht draußen bewegen kann, dann noch telefonieren und ab ins Bett. Schlaf nachholen, denn die vorherige Nacht war kurz. Dieser Tag ging echt fix rum.

2 Antworten auf „Keine Langeweile!

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  1. Hallo Max, wir wünschen dir eine gute Zeit und werden deine Berichte rege verfolgen!
    Bist du schon mit deinem Impfwunsch voran gekommen?
    Liebe Grüße ud lass es dir gut gehen! Für die Aussicht aus deinem Zimmer beneiden wir dich schon!
    Mechthild & family

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