Herzliya – Tel Aviv und zurück

Für meinen zweiten Tag nach der Quarantäne hatte ich mir vorgenommen, nach Tel Aviv zu fahren. Tel Aviv bedeutet im Deutschen so viel wie Frühlingshügel.

Aber zuerst musste ich mir noch meinen Mietwagen abholen. Den brauchte ich für Samstag, an dem ich vorhatte, die Messstelle bei Tag zu besichtigen und schonmal einen Tesetaufbau vorzunehmen. Bisher hatte ich mir als Mietwagen immer nur ein teilAuto geholt. Aber bei einer der großen Mietwagenfirmen war ich noch nie. Es ging aber relativ unkompliziert. Gebucht hatte ich schon am Mittwochabend über das Mietwagenportal der DB. Am Freitag vor Ort musste ich nur noch meinen Pass, meine Fahrerlaubnis und (natürlich) meine Kreditkarte vorlegen, danach den Vertrag unterschreiben und schon durfte ich los. Autofahren in Israel ist relativ normal und doch ziemlich anders, aber dazu erzähle ich morgen auf meiner Fahrt zur Messstelle mehr.

Zurück im Hotel schnappte ich mir meinen gepackten Rucksack und machte mich auf zur Bushaltestelle, denn es gab eine direkte Busverbindung vom Hotel in die Innenstadt von Tel Aviv. Das Ticket lud ich mir schon vorab auf meine Rav Kav, sodass ich beim Betreten des Busses nur noch die Karte vor das Lesegerät halten musste und eine Quittung ausgeruckt bekam. Die Fahrt dauerte fast eine Stunde. Man ist zwar relativ schnell in Tel Aviv, aber innerhalb der Stadt geht es dann aufgrund der verstopften Straßen nur sehr zähflüssig voran. Interessant ist, dass das alles im Fahrplan mit einkalkuliert ist.

Ich nutzte das langsame Vorankommen des Busses und guckte mir die vorbeiziehenden Häuser und die Umgebung an. Dabei fiel mir auch das Plakat (siehe oben) auf. Bei der Planung zu dieser Straßenbahnlinie war das Ingenieurbüro, wo ich arbeite, auch mit beteiligt. Klein ist die Welt.

Die typische Bauweise der Wohnhäuser in Tel Aviv ist sehr kastig und häufig war die unterste Etage eher ein Parkplatz bzw. Abstellplatz für alles mögliche. Die richtigen Wohnungen begannen in der ersten Etage, welche wie auf Stelzen steht.

Die sehr glatte, weiße und mit Jalousien versehene Fassade rührt aus der Zeit, als Klimaanlagen noch nicht für alle erschwinglich waren. So konnte man die Hitze draußen halten. Der Bus fuhr immer weiter ins Zentrum und ich stieg am Dizengoff-Platz aus. Von dort wollte ich dem Vorschlag des Reiseführer-Buches (Danke an Mechthild R.) folgend ein wenig durch den Südteil der Stadt spazieren. Auf dem Dizengoff-Platz angelangt, stellte ich fest, dass es hier tatsächlich kein Corona mehr gibt. Der berühmte „Freitag nach Corona“ war hier bestimmt schon vor einer Woche.

Vom Dizengoff-Platz ging ich südlich zum Dizengoff-Center. Das ist das ausführlichste Einkaufszentrum in Israel. Ursprünglich wurde mir empfohlen, dort eine SIM-Karte zu holen, weil alle großen Mobilfunkanbieter dort vertreten seien. Diesmal ging ich aber vorbei und schländerte durch die Straßen, vorbei an Geschäften aller Art (Mode, Eisladen, Bar, Restaurant,…) und bog in den Gan Meir Park ein. Tel Aviv hat zwar keine großen Grünanlagen, dafür stehen viele Bäume in den Straßen, auch wenn manchmal gar nicht der Platz dafür da ist. Der Gan Meir Park ist einer der wenigen Grünflächen. Ich setzte mich, um im Reiseführer zu lesen. Mein weiterer Weg sollte mich über den Bialik Platz führen. Hier steht das Bialik-Museum, das verschiedene Werke von Israels größtem Dichter zeigt, und auch das ehemalige Rathaus.

Das rechte Gebäude ist das ehemalige Rathaus von Tel Aviv. Heute beherbergt es es ein Museum zur Geschichte der Stadt.

Tel Aviv ist eine sehr tolerante Stadt. Solche Plakate wie die folgenden würden in Jerusalem sofort öffentlich verbrannt werden…

Tel Aviv ist auch sehr vom Bauhaus geprägt. Als Tel Aviv in den 20er und 30er Jahren zum Zufluchtsort für vertriebene Juden wurde, ließen sich auch einige Absolventen der Dessauer bzw. Weimaraner Architekturschule nieder. Das zeigt sich deutlich im Stadtbild.

Runde Ecken, klare Fensterarrangements. Zack fertig: Bauhaus.

Weiter ging es für mich zum Bezalel Markt, einem Basar für Kleidung, und zum Karmel Markt, auf dem heute zahlreiche Kunsthandwerker*innen ihre Werke zur Schau stellten.

Dann las ich im Reiseführer, dass ganz in der Nähe noch die alte Bebauung Tel Avivs erhalten ist. Das moderne Tel Aviv ist gezeichnet von Hochhäusern und breiten Straßen. Ständig spießen auch neue Wolkenkratzer in die Höhe. Doch das alte Tel Aviv, mit den dreistöckigen Häuschen und den engen Gassen sei gleich um die Ecke. Tatsächlich erwartete mich ein paar Ecken weiter dieses Bild.

Hinten die Hochhäuser, vorn die kleinen Gassen. Dieses Viertel ist tatsächlich sehr klein und umringt von modernen Bauten. Innendrin ist es aber ruhig und schnuckelig.

Nun war ich auch nicht mehr weit von meinem Zwischenziel entfernt: dem Strand von Tel Aviv. Raus ging es aus dem schnuckeligen Viertel und schon zeigte sich wieder ein ganz anderes Bild, das auch in Amerika hätte aufgenommen werden können.

Unter Palmen: Naher Osten oder East Coast?

Nach Norden blickend hatte ich nun dieses Arrangement: An die Landseite des Strands von Tel Aviv schließt sich eine breite Einbahnstraße an, an der viele große (und hohe) Hotels einen Platz in der ersten Reihe ergattern wollten.

Das moderne Tel Aviv

Der Blick nach Süden zeigte das historische Jaffa, die alte Hafenstadt, mit der Tel Aviv seit einigen Jahren verschmolzen ist. Dort entlang zu spazieren, wäre sicherlich auch ein schöner Zeitvertreib. Vor allem, weil es aus der Ferne noch sehr historisch erhalten aussah. Mehr orientalisch, während Tel Aviv sehr westlich ist. Ich wollte aber von nun an dem Wasser nicht mehr von der Seite weichen und zu Fuß nach Herzliya zurück in mein Hotel laufen. Straffe 8 Kilometer.

Das alte Jaffa

Warum ich das mache? Nunja… Es war ja Freitagnachmittag und damit wie bei uns der Samstagnachmittag. Am Abend beginnt der Shabbat, sodass die Züge und meisten Busse nicht mehr fahren. Daher war es das unkomplizierteste, einfach mal (nach so langer Zeit im Hotelzimmer) wieder eine längere Strecke an der frischen Meeresluft zu Fuß zurück zu legen. Die Sonne im Rücken und den Wind um die Nase zog ich also Nord-wärts auf der Strandpromenade. An einem Kiosk holte ich mir eine Pita, die mit Hummus, Gemüse und Pommes (???) gefüllt war, als Wegzehrung.

Die Strände sind größtenteils bewacht und die Rettungsschwimmertürme gleichen kleinen Festungen. Das scheinen hier noch richtige Lifeguards zu sein und nicht nur einfache Rettungsschwimmer. Ein Schild hat mir gut gefallen, weil man es so in zwei Richtungen übersetzen kann. Eigentlich weist es auf die vielen Felsen hin, die hier an der Küste im Wasser liegen. Man könnte es aber auch so deuten, dass Vorsicht was richtigt gutes ist: „Vorsicht rockt!“ oder eben „Vorsicht Felsen!“.

Immer wieder kam ich an Strand-Cafés vorbei und auch so einige Bars waren da, bei denen schon zum Nachmittag der DJ sein Set auflegte.

Dieser lässige und fröhliche Lebensstil hat mir echt gefallen. So lässt es sich leben. Der Strand zieht sich mächtig und nach dem Abschnitt mit den Bars folgte ein ruhigerer Abschnitt, bei dem erst ein Kraftwerk und dann die ehemalige Landebahn eines verlassenen Flughafens an mir vorbei zogen. Hier wurden es deutlich weniger Leute. Die Stadtgrenze von Tel Aviv hatte ich erreicht.

Der alte Leuchtturm von Tel Aviv

Der Strand wurde rauer, der Wind nahm zu und der Sportstrand kam, an dem Surfer, Windsufer und Kitesurfer ihrem Hobby nachgingen.

Irgendwann war auch die Promenade vorbei und es ging nur noch durch den Sand des Strandes. Hier machte ich eine ausgedehnte Pause und genoss die Ruhe.

Mein Hotel hatte ich mittlerweile schon am Horizont erblickt und damit wusste ich, dass es nicht mehr weit war.

Im Hotel angekommen ruhte ich mich erstmal aus und ließ meinen Füßen und Beinen eine erholsame Pause zukommen. Dann schnappte ich mir nochmal die Kamera, ging auf den Wellenbrecher vor unserem Hotel und genoss den Sonnenuntergang. Das ist echt schön hier. Wenn ihr doch nur alle mit dabei wärt!

Morgen wird es wieder spannend. Ich darf einen Testaufbau an der Messstelle machen und muss dafür 60 km Auto fahren. Es kommt keine Langeweile auf!

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